30. September 2019
Free Tibet, www.freetibet.org, Radio Free Asia, www.rfa.org

Sechs Tibeter festgenommen, weil sie sich weigerten, an den Feierlichkeiten der KP teilzunehmen

Im Vorfeld zu dem 70. Gründungstag der Volksrepublik China wurden die Sicherheitskontrollen in ganz Tibet massiv verschärft.

Sechs Tibeter wurden in Zentraltibet festgenommen, weil sie sich geweigert hatten, an den offiziellen Veranstaltungen zum 70. Jahrestag der Gründung der VR China teilzunehmen.

Aus geheimen Quellen konnte Tibet Watch in Erfahrung bringen, daß Tsegyal, Yangphel, Dudul Lhagyay, Norsang, Shewang Namgyal und Sithar Wangyal in der Gemeinde Tarchen am 20. September in der Präfektur Nagchu, TAR, festgenommen wurden.

Sithar Wangyal

Die sechs widersetzten sich den Anweisungen, chinesische Flaggen zu schwenken, patriotische Lieder zu singen und die herrschende KPC im Vorfeld zu dem Jubiläumstag zu preisen.

Quellen zufolge baten Angehörige der sechs Festgenommenen die Lokalbehörden um Erlaubnis, ihnen Essen und Decken bringen zu dürfen. Die Behörden wiesen diese Bitten jedoch zurück und warnten die Angehörigen davor, daß die Haftzeit der Festgenommenen noch viel länger sein könnte, wenn sie mit ihren Bitten nicht aufhörten.

In ganz China wurde eine Reihe von Events zur Vorbereitung auf den Jahrestag organisiert. Auch die Leute in dem besetzten Tibet wurden zum Mitmachen aufgefordert. Tibetischen Restaurants, Häusern, Klöstern und Schulen wurde aufgetragen, große chinesische Flaggen und Banner mit Lobsprüchen auf die KPC anzubringen.

Auch Schüler, Mönche und das allgemeine Publikum wurden zur Teilnahme gezwungen, und in den Bezirken Ngaba und Dzoege wurden Tänze und Gesangswettbewerbe zum Lob der KPC abgehalten. Es gab auch Poesie-Wettbewerbe und Fotoausstellungen, in denen die KPC als die demokratische Befreierin Tibets dargestellt wurde. Letzte Woche gelangten Free Tibet und Tibet Watch in Besitz eines offiziellen Videos von Mönchen, die im Kloster Galden Jampaling in Chamdo Tänze aufführten und Loblieder sangen (1). Das Kloster war mit chinesischen Flaggen und Portraits der kommunistischen Führer geschmückt.

Um einen ungestörten Verlauf der Feierlichkeiten zu garantieren, kam in der gesamten TAR eine große Zahl von Polizei- und Militärkräften zum Einsatz. Der TAR-Parteisekretär schärfte ihnen ein, bei jedem eventuell möglichen Protest sofort einzuschreiten. Sicherheitskontrollen, Überwachung und Suchoperationen wurden aufgestockt.

Eine andere Quelle bezeichnete die Feierlichkeiten als „gestellt…, wobei die Mehrheit der Teilnehmer nur auf Befehl der chinesischen Regierung erschienen ist“.

„Für Tibeter ist die Feier zum 70. chinesischen Nationalfeiertag einer der dunkelsten Tage in ihrer Geschichte“, sagte Pema Jungney, der Sprecher des tibetischen Exilparlaments.

„Siebzig Jahre chinesisch-kommunistischer Herrschaft brachten eine Lawine von Tod, Zerstörung und Gefangenschaft in Tibet mit sich. Sei es aus der Sicht der Menschenrechte, der Religionsfreiheit, der Sprachrechte oder der Umweltprobleme, die negativen Auswirkungen, die die chinesische Herrschaft gebracht hat, sind in der Geschichte Tibets ohnegleichen“.

„Schwere Einschränkungen der menschlichen Grundfreiheiten, willkürliche Festnahmen, Isolierhaft, Folter und widernatürliche Todesfälle wurden zum Markenzeichen der chinesischen Herrschaft in Tibet“.

(1) 26.09.2019, Hunderte von tibetischen Mönchen singen in einem inszenierten Video ein Loblied auf die Kommunistische Partei, http://www.igfm-muenchen.de/tibet/ftc/2019/Galden-Jampaling-Video_26.9.19.html